Rolf Baldsiefen Ausstellung

 

Einführungsrede zur Ausstellunng mit Bildern von Rolf Baldsiefen am 9.11.08 in der „Galerie Langenohl“

Meine letzten beiden Ausstellungen in dieser Galerie haben eindrucksvolle Bilder von zwei Künstlerinnen gezeigt, deren Lebensweg nicht gradlinig auf eine künstlerische Laufbahn ausgerichtet war, auch wenn ihr künstlerisches Talent schon früh erkannt wurde. Das Gleiche gilt für Rolf Baldsiefen, dessen Bilder wir hier heute bestaunen können.

Wer einen Eindruck vom schwierigen Lebensweg des Rolf Baldsiefen haben möchte, kann seinen Roman „Laienspiele“ lesen. Er ist nach seinen eigenen Aussagen stark autobiographisch geprägt und gibt einen berührenden Eindruck von der eingeschränkten und bedrückenden Welt, in der die Menschen nach dem II. Weltkriege und in den 50iger Jahren in einem kleinen abgelegenen bergischen Dorf lebten. Für mich war das Buch besonders spannend, weil ich in ähnlichen Strukturen hier im Sauerland aufgewachsen bin.

Wie dieses Buch zeigt – es ist übrigens nicht sein einziges – ist Rolf Baldsiefen vielseitig künstlerisch begabt. Das belegt auch sein Lebensweg, den er selbst wie folgt kurz zusammengefasst hat:

„Ich wurde 1943 geboren.

Auf 8 Jahre Volksschule folgten 8 Jahre im Beruf des Schriftsetzers. Eine berufliche Weiterbildung erfolgte in der Zeit von 1963 bis 1965 in Berlin. Parallel dazu verlief eine künstlerische Grundausbildung.

Nach der Begabtensonderprüfung im Jahr 1965 schloss sich das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Köln an.

Während meines Lehrerberufs unternahm ich „Ausfüge“ in die Bereiche Theater, Musik mit Instrumentalgruppen, Chorarbeit und Liedermacherei. 1983 „strandete“ ich als Autodidakt auf der „Insel Ölmalerei“.

Ähnlich Robinson musste ich mich durch die verschlungenen Pfade zügelloser Phantasie, Methoden und Arbeitstechniken kämpfen. Wild war diese Zeit und nie mochten die Überraschungen, die mit jedem neuen Bild verbunden waren, ein Ende finden.

Nach einer ausgedehnten Phase abstrakter Farb- und Formspiereinen habe ich mich vornehmlich konzentriert auf die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Menschen. Für meine „Landschaftsmalerei“ lieferten mir Motive der oberbergischen Heimat lediglich die Form, nicht aber die farbliche Vorlage, für eine eigenwillige expressionistische Seh- und Ausdrucksweise.

Bei all diesen Entdeckungen erkennt der älter gewordene „Robinson“, wie unendlich groß doch eine Insel sein kann.“

Rolf Baldsiefen hat dieser Ausstellung den Titel „Wandlungen“ gegeben und wir sehen hier Wandlungen in seiner Bildersprache und in seinen Motiven über viele Jahre. Mit Wandlung könnte aber auch seine künstlerische Arbeitsweise beschrieben werden. Er bildet nicht die äußere Welt ab. Seine Erfahrungen in und mit der Welt verwandeln sich in seinem Unbewussten zu Farben und Formen, die geboren werden wollen. Er sagt dazu: „Menschen und Natur sind lediglich Formgeber. Die Wahl der Farben unterliegen einem unbekannten, nur über die jeweilige Stimmungslage erklärbaren inneren Auftrag.“ Und: „Meine Bilder entwickeln sich nicht so, wie ich das will, sondern wie sie es wollen.“ Diese Aussagen zeigen, dass Rolf Baldsiefen ein moderner Künstler ist. So sagt einer der bekanntesten Maler der Modern in Amerika, Jackson Pollock: „Was mich interessiert ist, dass Künstler heute gar keinen Stoff mehr aufgreifen müssen, der außerhalb ihrer selbst liegt. Die meisten modernen Maler arbeiten von einer anderen Basis aus. Sie arbeiten von innen.“ Und: „Der moderne Künstler, so scheint mir, arbeitet daran, eine innere Welt auszudrücken – Energie auszudrücken, Bewegung und andere innere Kräfte.“

Entsprechend müssen moderne Gemälde aufgenommen werden. Der Beschauer sollte nicht nach äußeren Gegenständen, nach Ideen oder vorgefassten Vorstellungen suchen. Er soll passiv schauen. Dazu noch mal Pollock: „Ich glaube, man soll es auf sich wirken lassen wie Musik – nach einiger Zeit springt etwas über oder nicht. Ich halte das Rezeptionsproblem nicht für all zu schwerwiegend. Manche Blumen liebe ich, andere nicht. Gib dem Bild eine Chance.“

Dem Bild eine Chance geben und es wie Musik aufzunehmen bedeutet, mit eine bestimmte innere Haltung an es heran zu gehen und vor allem: sich Zeit zu nehmen. Anders als bei Musik, die ja nicht anders kann, als sich in der Zeit auszufalten, überschauen wir das Bild in einem Augenblick und fällen oft auch im Augenblick entsprechend unserer Vorurteile und Erwartungen unser Urteil. Auf diese Weise entgeht uns der große Reichtum und die Bereicherung, die gerade auch moderne Kunstwerke zu bieten haben.

Rolf Baldsiefen ist ein moderner Künstler und so möchte er auch, dass sie auf diese Weise an seine Bilder herangehen und sich begeistern lassen. Wie für den Künstler Rolf Baldsiefen die Bilder offen bleiben - „Auch der letzte Pinselstrich ein Fragezeichen“ – so soll jedes Bild für den Beschauer ein Aufforderung sein, selbst mit zu arbeiten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Unter dem Titel „künstlerische Ausschweifungen“ wird nun der Schauspieler Gisbert Möller seinen Beitrag zum Verständnis der Modernen Kunst leisten. Dazu wünsche ich Ihnen viel Vergnügen.

 

Rolf Baldsiefen

Ich wurde 1943 geboren. Auf 8 Jahre Volksschule folgten 8 Jahre im Beruf des Schriftsetzers. Nach der Begabtensonderprüfung schloss sich das Studium an der pädagogischen Hochschule in Köln an. Während meines Lehrerberufs unternahm ich "Ausflüge" in die Bereiche Theater, Musik mit Instrumentalgruppen, Chorarbeit und Liedermacherei.

1983 "strandete" ich als Autodidakt auf der "Insel Ölmalerei". Ähnlich wie Robinson musste ich mich durch die verschlungenen Pfade zügelloser Phantasien, Methoden und Arbeitstechniken kämpfen. Wild war diese Zeit und nie mochten die Überraschungen, die mit jedem neuen Bild verbunden waren, ein Ende finden. Nach einer ausgedehnten Phase abstrakter Farb- und Formspielereien habe ich mich vornehmlich konzentriert auf die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Menschen. Motive der oberbergischen Landschaft lieferten mir lediglich die Form, nicht aber die farbliche Vorlage, für eine eigenwillige impressionistische Seh- und Ausdrucksweise. Nachdem mein malerischer Sturm und Drang der ersten Jahre abgeebbt und mein Tun in ruhigere Bahnen gelangt ist, hat sich mein Blick eher den unscheinbaren mikrokosmischen Gegenständen zugewandt. Aber auch hier erkennt der älter gewordene "Robinson", wie unendlich groß doch eine Insel sein kann.