Ausstellung "Leichtigkeit und Tranzparenz"

- Günter Kozlowski und Doris Falkenroth

 

Begrüßung und Einführung zur Ausstellung „Leichtigkeit und Transparenz“ mit Aquarellen von Günter Kozlowski und Doris Falkenroth
am 23. August 2015 in der „Galerie Langenohl“

Meine Damen und Herren, ich begrüße sie herzlich zu der Eröffnung der ersten Ausstellung mit Aquarellbildern. Sie sind von Günter Kozlowski und Doris Falkenroth. Beide begrüße ich nochmals von dieser Stelle aus.

Günter Kozlowski ist 91 Jahre alt und wohnt in Valbert. Er war Architekt. Seine Freude am Malen entdeckte er mit Beginn seines Ruhestandes. Ausgerechnet Aquarellmalerei wurde sein Schwerpunkt: vom exakten Zeichnen des Architekten zur verfließenden Farbe, die nie ganz zu kontrollieren ist. Vom schwarzen Strich der technischen Zeichnung zur Vielfalt der immer neuen Farben und von starren technischen Formen zu organischen. Bei Aquarellen werden sogar Häuser und Mauern lebendig. Größer könnte der Kontrast nicht sein. In einem Interview mit der MZ sagt er, dass er seinen Skizzenblock immer bei sich hat und sich vom Besonderen, das ihm begegnet, überraschen lässt: „Man kann ja nie wissen, was die Landschaft wieder Besonderes zu bieten hat, vielleicht flirrendes Licht in den Baumkronen, ein bizarres Wolkenbild oder Dunst über Wiesen und Felder.“ „Nass in Nass“ ist seine bevorzugte Technik: „Die Farben arbeiten selber mit.“ Die Ergebnisse können sie hier in vielfältiger Weise sehen.

Doris Falkenroth entdeckte schon als Jugendliche ihr Talent zum Zeichnen und Malen. Sie wollte Modezeichnerin werden und macht auf dieses Ziel hin zunächst eine Schneiderinnenlehre. Die Lebensumstände verhinderten dann aber, dass sie diesen Wunsch verwirklichen konnte. Vor etwa 20 Jahren wurde ihr Interesse für die Malerei bei einer Malaktion der Selbsthilfegruppe Krebs Meinerzhagen-Kierspe neu geweckt. Seit dem malt sie regelmäßig, aber nach „Lust und Laune“, wie sie sagt. Sie malt aus der Erinnerung, die oft mit vorher gemachen Fotos unterstützt wird. Entscheidend ist für sie ihre jeweilige Stimmung, die sie vor allem in den Farben umsetzt. „Bei meinen Aquarellen fange ich mit den hellsten Punkten an. Dabei liegt die Kunst im Weglassen. Das heißt auch, dass an einigen Stellen das Papier unbemalt bleibt“ und „Zuviel Details muss man sich abgewöhnen“, so beschreibt sie ihre Vorgehensweise. Licht wird - wie auch bei Günter Kozlowsiki zu sehen ist - durch den durchscheinenden weißen Untergrund ins Bild gebracht. Dieses Licht macht die Bilder transparent und heiter.

Aquarellmalerei spielt im Kunstbetieb keine so große Rolle. Vielleicht liegt das auch daran, dass fast jeder sich als Kind schon mal mit Aquarellmalen versucht hat und vielleicht meint, das wäre ja eigentlich sehr einfach. Das Gegenteil ist aber der Fall. Ein gutes Aquarellbild zu schaffen ist hohe Kunst, zunächst mal im Sinne von Können. Es gehört viel Können dazu, die leere Fläche mitwirken zu lassen und viel Erfahrung, die Reaktion der mehr oder weniger fließenden Farben kalkulieren zu können. Zudem gibt es eine Fülle von technischen Möglichkeiten, die geschickt eingesetzt werden wollen. Auch muss beim Aquarell jeder Pinselstrich sofort sitzen, weil Korrekturen kaum möglich sind.
Darüber, wann etwas Kunst im Sinne eines Kunstwerkes ist, lässt sich mächtig streiten. Es gibt zahllose Kunstbegriffe und – wie sie vielleicht ja schon gesehen haben - werden auch Sperrmüllsammlungen heute als Kunst deklariert. Für mich hat Kunst auch etwas mit Geistigem zu tun. Ein Bild kann mich begeistern und in Erstaunen versetzen. Es bereichert mich indem es mir Sinnerfahrung und Freude vermittelt. Und das kann die Aquarellmalerei. Anders als bei anderen Kunstwerken fehlt dem Aquarell vielleicht die Tiefsinnigkeit einer Idee oder die Fähigkeit, unbewusste Inhalte und Symbole im Menschen zu berühren. - Aquarelle erscheinen zunächst als oberflächlich. Ihre Motive sind oft Landschaft und Blumen, deren Schönheit ohne einen Hintersinn ins Bild gebracht werden. – Was sie aber vermitteln können ist Leichtigkeit, Heiterkeit und durchsichtige Weite. Daher das Motto dieser Ausstellung: „Leichtigkeit und Transparenz“. (Das Motto stammt von Stefanie Schildchen, die auch das sehr schöne und zur Ausstellung passende Faltblatt gestaltet hat.)
In Leichtigkeit und Transparenz zeigt sich eine Ebene unseres Menschseins, die über unser Denken und über tiefenpsychologische Erfahrungen hinaus geht. Leichtigkeit stellt sich ein, wenn ich alles loslassen kann und einfach da bin. Das kann ich, wenn die Schönheit einer Landschaft oder die Schönheit von Blumen eines Aquarells mich gefangennehmen. Ich kann für einen Moment in einer anderen Welt sein. Und die Transparenz eines Aquarells kann so ein Schritt in die Transzendenz sein. Die Schwere unseres täglichen Daseins kann für eine kurze Zeit überschritten werden. Das ist Glück und Kontemplation, gedankenfreies einfaches Dasein. Was könnte ein Kunstwerk mehr leisten?

Bei der Betrachtung der Aquarelle von Doris Falkenroth und Günter Kozlowski wünsch ich Ihnen solche Glücksmomente.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

Herbert Langenohl