Helga AVA Coleden Ausstellung

 

Einführung zur Ausstellung mit Bildern von Helga AVA Colden

am 11.November 2012 in der „Galerie Langenohl“

 

Diese Ausstellung ist aus verschiedenen Gründen etwas ungewöhnlich. Die Künstlerin ist nicht anwesend, sie ist 2009 in Köln gestorben. Das ist an sich ja noch nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlicher ist schon, dass wir nicht sehr viel über sie wissen. Sie wurde als Helga Golden 1929 in Füssen, im Allgäu geboren. Sie studierte in Köln Kunstgeschichte und Germanistik und wurde Lehrerin. Nach einem Studium der Malerei, u. a. bei Ewald Matare in Düsseldorf, arbeitete sie ab 1985 als freie Malerin in Köln. Ungewöhnlich ist auch, dass sie ihren Nachlass einem sozialen Projekt zukommen ließ. Über den Sozialamtsleiter der Stadt Köln, Arnd Schwendy, fanden mehr als 90 Gemälde eine neue Heimat im Verein „Sozialistische Selbsthilfe Mühlheim“ in Köln. Im Kölner Wochenspiegel von 13. Juni 2012 war zu lesen: „AVA Colden war ein politisch wacher Mensch und hatte eine starken Gerechtigkeitssinn. Das Vermächtnis an die SSM war in ihrem Sinne, weil sie für die Arbeit solcher Initiativen ein großes Herz hatte.“

Die Bedeutung dieser Selbsthilfegruppe für Köln beschreibt die Aussage des Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters zum 30jährigen Bestehen diese Gruppe: „Die SSM e. V. zeigt mit seinem langjährigen Projekt der Selbsthilfe, dass Menschen sich aus eigener Kraft Arbeitsplätze schaffen und ihre Existenz sichern können. …In 30 Jahren ist die Mühlheimer Selbsthilfe ein Stück Köln geworden und hat das soziale Bild der Stadt mitgeprägt.“

Wir können heute einige Mitglieder dieser Selbsthilfegruppe hier begrüßen: Heinz Weinhaus, Tihmoir Petrov …..

Ungewöhnlich ist durch diese Umstände sicher auch, dass Sie so gute Bilder äußerst günstig erwerben können und damit auch noch gleichzeitig eine in Köln sehr bekannt und geschätzte soziale Initiative unterstützen. Was kann ihnen vor Weihnachten besseres passieren?

Wenn Sie sich nun die Bilder anschauen, finden Sie keine Hinweise auf ihnen bekannte Gegenstände oder Landschaften. Sie sollten sie auch nicht suchen. Es geht um gegenstandslose Kunst, hier genauer um Informelle Kunst, was mit formlos beschrieben werden kann. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine Kunstrichtung, die etwa um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Paris seinen Ausgang nahm. Sie entstand auch als Gegenbewegung gegen abstrakte Kunst und geometrische Abstraktion. Anfang der 50iger Jahre kam sie nach Deutschland. Einer ihrer international bekannten Vertreter bei uns ist sicher Emil Schumacher, der ja in Hagen ein großes Museum bekommen hat.

Merkmale dieser Malerei sind - wie der Name schon sagt – Formlosigkeit und Spontanität der künstlerischen Produktion.

Die Künstlerin oder der Künstler haben bei dieser Malerei keinen festen Plan und folgen eher einer Stimmung und einer Intuition, die im Malvorgang sich weiter entwickeln. Sie finden daher auch meistens keine konkreten Bildbezeichnungen. Bei Frau Colden haben wir überhaupt keinen Titel gefunden.

Wie geht man nun mit solchen Bildern um?

Gehen sie ähnlich vor, wie auch die Künstlerin wahrscheinlich bei der Entstehung des Bildes vorgegangen ist. Lassen sie die Farbenflecken und die mehr gestischen Formen auf sich wirken, folgen sie ihren eigenen Impulsen und schaffen sie sich nach und nach ihr eigenes Verständnis, das sich vielleicht der Verstehensebene der Künstlerin annähert und so eine Resonanz zur Seele der Künstlerin entsteht. Die Bilder lassen Ihnen viel Freiheit.

Helga Colden arbeitet häufig mit pastellfarbenen und warmen Tönen. Vielleicht kommt da ihre Weiblichkeit zum Ausdruck. Sie arbeitet aber durchaus auch mit kräftigen Farben, die kontrastreich eingesetzt werden und einen entschlossenen und kraftvollen Charakter zeigen. Die Bilder machen eine sehr authentischen Eindruck.

Lassen Sie im Anschauen der Bilder von Helga Colden ihre Gedanken zur Ruhe kommen und Ihre Seele weit werden.

Nun möchte ich noch kurz auf die Plastiken von Tihomir Petrov eingehen. Tihomir im Sommer 2003 aus Bulgarien nach Köln und machte in der der Sozialistischen Selbsthilfegruppe in Köln Mühlheim ein freiwilliges soziales Jahr. Anschließend blieb er und hat dort seine neue Heimat gefunden. Er sagt: „Dort habe ich alles gefunden, was ich brauche.“ Und das ist nicht viel, solange er Freiraum für sein künstlerisches Schaffen als Bildhauer hat. Nach einer begonnenen Ausbildung in Bulgarien bestand er in Deutschland die Aufnahmeprüfung für das Studium der Bildhauerei an der Alanus-Hochschule in Alfter und konnte gleich ins dritte Semester gehen.

Seine Skulpturen sind ebenfalls nicht gegenständlich und passen daher gut in diese Ausstellung. Sie zeigen eindrucksvoll die Begabung des noch jungen Künstlers. Ich würde mich freuen, wenn diese Ausstellung ihm Mut machen würde, seiner Begabung entsprechend weiter zu machen. Auch die Skulpturen sind käuflich zu erwerben.

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.