Anne Klare Ausstellung

 

Rede zur Eröffnung der Ausstellung mit den Bildern Anne Klares am 21. Oktober 2007 in der „Galerie Langenohl“ in Meinerzhagen

 

Meine sehr verehrten Damen und Herrn, sie sehen hier ganz andere Bilder, als die von Anneliese Martin-Habich, die ich im Sommer hier zeigen durfte. Es gibt aber dennoch eine starke Verbindung.

Die künstlerische Entwicklung von Anne Klare, deren Bilder sie heute hier sehen, ist von Anneliese Marin-Habich über fast zwei Jahrzehnte begleitet worden. Anne Martin war sozusagen ihr künstlerische Mutter. Durch sie wurde sie ständig ermutigt. „Mach mal Anne!“ war dabei ein beliebter Ausspruch. Bei ihr fühle sie sich auch menschlich zuhause.

In diesem Zusammenhang habe ich Anne Klare auch kennen gelernt. Seit vielen Jahren kam sie nämlich über Pfingsten nach Hardenberg, um mit andern zusammen unter der Anleitung von Annliese Martin-Habich gestalterisch tätig zu sein. - Von diesen Treffen waren ja im Sommer hier Skulpturen ausgestellt und einige stammten auch von Anne Klare.

Ich stell Ihnen Anne Klare besonders gerne vor. Sie hatte nicht das Glück, sich gleich für eine künstlerische Laufbahn entscheiden zu können. 1950 in Köthen, Sachsen Anhalt, als Anne Gahlen geboren, flohen Ihre Eltern mit ihr und ihrer ältern Schwester schon 1951 in den Westen und kamen nach Herten-Disteln im Kreis Recklinghausen. Nach acht Jahren Volksschule und 3 Jahren Internat machte sie ein Ausbildung als Kinderkrankenschwester und ließ sich später weiter ausbilden zur Op. Schwester. Diesen Beruf übt sie auch heute noch aus. 1977 heiratete sie ihren Mann Jürgen Klare und hat mit ihm zwei Kinder.

Warum stelle ich Ihnen Anne Klare besonders gerne vor?

Anne Klare zeigt, dass jemand, der eine künstlerische Berufung hat, auch dann noch Großes leisten kann, wenn die Bedingungen nicht gerade günstig sind.

Ihre künstlerische Begabung und ihr Drang, sich schöpferisch zu betätigen, wurden schon früh erkannt. Wie sie sich erinnert, lief sie schon als Kind überall dorthin, wo es Kreatives zu tun gab. Ihrem Vater war eine Ausbildung für sie in künstlerische Richtung aus finanziellen Gründen aber nicht möglich.

Einige Jahre versuchte sie ihren innern Drang und die damit verbundene Unruhe durch Reisen nach England, Australien, Nordafrika, Spanien und Skandinavien zu bewältigen.

Ein solcher Ausweg konnte aber kein Dauerzustand sein. So begann sie schon bald, sich trotz ihres anstrengenden Berufes und der Familie, die bald dazu kam, sich künstlerisch auszubilden. Dass dazu ein hohes Maß an Energie und Eigenwilligkeit gehört, – Eigenwilligkeit hier im wörtlichen Sinne gemeint-, muss eigentlich nicht erst gesagt werden. Und sie verfolgte ihr Ziel hartnäckig. Neben vielen Kursen bei Anneliese Martin-Habich wurde ihre bildhauerische Ausbildung auch zehn Jahre von Toni Ryf begleitet. Das für mich erstaunlichste ist aber, dass sie sich im Alter von 53 Jahren noch entschloss, das Studium der Malerei und Grafik an der freien Kunstakademie der bildenden Künste in Essen aufzunehmen. Ermutigt wurde sie dazu vor allem von ihrer Freundin, der Künstlerin Hildegard Rund. Um ihr Studium finanzieren zu können – in einer Situation, in der die beiden Söhne noch in der Ausbildung waren -, musste sie und ihre Familie auf einiges verzichten. 2007 schloss sie ihr Studium sehr erfolgreich ab.

 

Nun zu den Bildern und der Kunstauffassung von Anne Klare.

Anne Klares Bilder entstehen nicht durch Nachahmung, sie sind eine Sichtbarmachung durch die frei Wahl von Farben, Flächen und Linien und dem Spiel mit den Formen im Raum. Auch themenmäßig ist sie nicht von vornherein festgelegt.

Sie sagt: „Jedes Bild hat für sich Bestand. Es wird weder eingereiht, noch gezwungen. Jedes Bild steht für sich selbst und folgt nicht einem übergeordneten Thema. Ein Bewusstmachung des Unbewussten, tief in mir vergrabenes hervorgebracht, einen Schaffensdrang, der seinen Weg sucht. Im ständigen Ja-Nein Konflikt lass ich geschehen, verwerfe, nehme neu auf. Und wieder der Versuch, bis die Ruhe die Unruhe besiegt. Ich befinde mich in der Gegenwelt zum Alltag. Und werde belohnt mit glücklichen Momenten.“

Der Prozess bei der Entstehung einzelner Bilder ist unterschiedlich. Einige Bilder fließen ihr einfach aus der Hand. Sie spricht dann von einem Geschenk und kann es kaum glauben, dass sie das gemacht hat. Bei anderen sind Bildentwürfe vorausgegangen, die nicht gelingen wollten. Der schweizer Künstler Jean Maire beschreibt diesen Vorgang wie folgt:

„Künstler zeichnen sich nicht nur durch Talent aus, sondern auch dadurch, dass sie es aushalten auf dem Weg zu einem Ziel durch einen Sumpf unzulänglicher Versuche waten zu müssen. Aber sie hören nicht auf weiterzugehen.“

Wen wundert es, dass Anne Klare mit ihrer Hartnäckigkeit für einen solchen Vorgang besonders geeignet ist?

Typisch für Anne Klare ist auch, dass sie eigene Techniken entwickelt hat – sie ist eben eigenwillig. So malt sie Bilder mit farbiger Tusche, deren Leuchtkraft ungewöhnlich ist und mich sehr begeistert. Auch die Oberfläche dieser Bilder ist ungewöhnlich. Das Rezept hat sie mir allerdings nicht verraten.

Besonders fasziniert bin ich auch von ihren Porträts. Sie wirken auf mich fast etwas altmeisterlich, sind aber ganz modern. Diese Porträts sind an konkreten Personen nur orientiert. Sie spiegeln, wie sie mir sagte, sehr viel von ihr selbst wieder. Das macht diese Porträts so autentisch.

Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, haben Anne Klares Bilder keine Titel. Das hat einen bestimmten Grund. Sie sagt:

„Wenn wir das Betrachten eines Bildes dem Lesen gleichstellen, dann ist es eine ungemein kreative Art des Lesen, ein Lesen bei dem nicht Worte in Laute und Sinn verwandelt werden, sondern ein Lesen, bei dem wir Bilder in Sinn und Geschichte sehen. Und um diesen Prozess nicht zu beeinflussen und die Gedanken des Betrachters zu manipulieren, verzichte ich bewusst auf Titel und Sinndeutungen, sonder überlasse es jedem Einzelnen seine eigene Geschichte in meinen Bildern zu entdecken.“

Diese Auffassung vertritt sie auch in Bezug auf ihre Porträts. Sie sagt:

„Wenn jedes Portrait ein offener Spiegel ist, dann sind wir die Betrachter, im Gegenzug die Spiegel des Porträts, indem wir ihm zu Sinn und Ausdruck verhelfen.“

 

Schließen möchte ich meine Einführung zu dieser Ausstellung mit einem Zitat von Bockemühl. Er ist Kunstwissenschaftler an der Akademie in Herdecke. Dieses Zitat ist gleichzeitig ein Apel an alle Besucher, der natürlich auch für andere Ausstellungen gilt:

„Es gilt durch die Kunst erworbene Wahrnehmungsvertiefungen mit einem kreativen, aber zugleich klar strukturierten Denken zu verbinden. Zur Wahrnehmung gehört ein waches Bewusstsein und Konzentration. Die aber entsteht erst aus Interesse. Ohne Interesse würden wir auf nichts Bestimmtes achten und damit auch nichts Bestimmtes wahrnehmen können.“

Anne Klares Bilder haben es verdient, mit großem Interesse betrachtet zu werden und ich bin sicher, sie werden großes Interesse erwecken.

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.