Ander (Andreas Müller) Ausstellung

 

Rede zur Ausstellungseröffnung mit Bildern von Ander (Andreas Müller) in der „Galerie Langenohl“ in Meinerzhagen am 8. August 2010, 11 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wahrscheinlich ist es Ihnen genauso ergangen wie mir: die ungewöhnlichen Bilder von Ander haben Sie zunächst in Erstaunen versetzt, haben Sie dann aber vielleicht auch etwas ratlos gemacht. Da treiben sich Bären vor einem normalen Kinogebäude herum, Nielpferde und Elefanten balgen miteinander, ein Hahn steht am Fahrwerk eines alten Eisenbahnwagons und darüber schwebt noch eine Eierlikörflasche und die ganze Ausstellung hat die Bezeichnung Animalerei. Animal heißt das Tier und tatsächlich kommen viele Tiere vor. Wer nun aber glaubt, es handele sich um etwas Zoologisches, hat weit gefehlt. Ander ist auch nicht in Afrika gewesen, wie ein Bekannter meinte, nachdem ich ihm nach unser Hängung am Donnerstag die Ausstellung gezeigt habe. Nein, das ganze hat mit uns und unserer Gesellschaft zu tun.

Aber zunächst mal zum Künstler selbst:

Ander ist 1956 in Dülmen geboren. Von 1978-1983 studierte er an Fachhochschule für Design in Münster Visuelle Kommunikation und Produktdesingn. Seit 1983 ist er beim Landschaftsverband -Westfalen-Lippe im archäologischen Bereich als Grafiker und Illustrator tätig. Er wohnt in Olpe, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Ander hat – wie er mir erzählte – schon von Kindsbeinen an gemalt und gezeichnet. Das war seine Leidenschaft und seine Eltern unterstützten ihn dabei. Seine eigentliche künstlerische Kariere begann aber mit dem Besuch der Fachhochschule in Münster. Von seinen Professoren beeinflusst begann er zunächst mit eine eher abstrakten Malweise. Seine gestisch-expressiven Bilder hatten eine kraftvolle Formensprache, zeigten aber auch damals schon eine Neigung zu satirisch-skuilen Inhalten. Sie können Beispiele solcher Bilder in einem kleinen Katalog sehen, der vorne auf dem Stehpult ausliegt.

Eigentlich ist es ungewöhnlich für einen Künstler unserer Zeit, dass er von einer abstrakten Malweise wieder zu gegenständlichen Darstellungen zurückgekehrt. Das hat aber wohl mit seiner inhaltlichen Neigung zu tun: Satirisches und Skurriles lässt sich besser gegenständliche, d. h. mit abbildhafter Malweise darstellen. Und hier können sich auch seine ganzen zeichnerischen und malerischen Qualitäten entfalten, die Sie ja selbst vor Augen haben.

Wie kommt der Künstler nun zu solchen Bildern? Wie geht er vor?

Vielleicht kann ich das an seinem neusten Bild, das hier noch nicht einmal richtig getrocknet ist, zu erklären versuchen. – Wir haben es daher heute auch mal mit einer echten Vernissage zu tun, denn die Bezeichnung kommt von der Gewohnheit, dass Künstler früher, wenn sie ein Bild gemalt hatten und es noch nicht richtig trocken war, schon ihren Freunden zeigten.

Sie sehen auf dem Bild „Stelzenbeiniger Eintänzer versucht sich als Feuervogel“ einen hell leuchtenden Mond mit Wolken. Diesen Mond hat der Künstler als bemerkenswert fotografiert und das Foto zuhause in seinem Fundus abgelegt. Als er dann nach einiger Zeit in einem Zoo ein balzendes Straußenmännchen mit zwei weiblichen Tieren sah, kam die Intuition: der balzende Vogel erinnert ihn an die in Film und Fernsehen oft zu sehenden Prominenten, die im Rampenlicht sich ähnlich verhalten. Der helle Mond wurde zum Rampenlicht und das Bild konnte gemalt werden. Auch wenn es sehr vereinfacht ist, zeigt es die Arbeitsweise des Malers. Er sucht nicht , er findet, wie ja auch schon Picasso von sich gesagt hat. Seine Themen sind gesellschaftliche, politische oder allgemein menschliche Fragesellungen, die ihn als sensiblen Menschen bewegen und in Bildintuitionen sich Gehör verschaffen. Auch wenn seine Bilder häufig surreal erscheinen: sie sind nicht dem persönlichen Traumerleben nahe, sondern näher am Verstand und der realen Wirklichkeit.

Was er zusammenbringt, sind aber nicht nur fotografische Elemente. Es können auch frühere Skizze, am Computer entworfene Sujets oder Spontanzeichnungen sein. Fotografien sind aber für seinen Malvorgang besonders geeignet, weil sie ihm konstante Lichtwerte garantieren. Das ist wichtig, weil er an größeren Bildern oft Monate lang arbeitet und oft bis 12 Farbschichten, teils in dünnen Lasuren, aufträgt. Von diesen großen Arbeiten fertigt er Reproduktionen an, ein Verfahren wie es in früheren Epochen Maler gemacht haben, wenn sie Druckgrafiken wie Kupferstiche als preiswerte Alternative zu den Originalarbeiten anboten.

Noch eine wichtige Bemerkung zu der Form seiner Kritik an unseren Verhältnissen: Er stellt nie konkrete Menschen oder Gruppen bloß, sondern transportiert – ähnlich der Fabel – seine Kritik häufig durch Tierdarstellungen. Dabei ist er aber - anders als die Fabel - nie moralisierend. Er sieht sich selbst mit in unsere Verhältnisse eingebunden und nimmt sich auch manchmal selbstironisch auf die Schippe. Und wenn Sie sich die kolorierten Radierungen mit den Ziegen auf der hinteren Wand anschauen, sehen sie – neben seiner meisterlichen Zeichenkunst – auch den feinen Humor, der in vielen Bildern aufscheint.

Als ich vor der Aufgabe stand, für diese Ausstellung eine Einführung zu verfassen, fühlte ich mich zunächst etwas hilflos. Ich hatte dann geplant, einfach an Hand einzelner Bilder Anders Kunst verständlicher zu machen. Das war ja gut möglich, weil ich ihn dazu befragen konnte. Alls er mir seine Interpretation und seine Vorgehensweise an einer ganzen Reihe von Bildern vermittelte, kristallisierten sich für mich doch genügend heraus, was mir für seine Kunst allgemein zutreffen könnte. Und ich merkte, dass es ja viel sinnvoller ist, wenn er zu seinen Bildern selbst etwas sagt. Sie können ihn - nachdem wir noch einmal Musik gehört haben – zu einzelnen Bildern befragen. Das ist authentischer, als wenn ich das versuchen würde.

Ich komme damit zum Ende meiner Ausführungen und bedanke mich sehr bei Dir, lieber Andreas, dass Du uns diese interessante Ausstellung möglich machst. Ich freue mich, dass ich einen so menschlich sympathischen und künstlerisch fähigen Menschen in unserer Region gefunden habe.