Eröffnung der Galerie

 

Rede zur Galerieeröffnung am 24.09.2006

 

Als ich vor einigen Wochen bei einer Ausstellung des Kunstvereins Südsauerland in Olpe Herrn Droste, der sich um die Kunst im Kreise Olpe sehr verdient gemacht hat und sich in der Szene gut auskennt, sagte, ich wolle in Meinerzhagen eine Galerie eröffnen, meinte er, das sei aber mutig. Grundsätzlich gebe ich ihm Recht. Galerien werden heute nicht mehr eröffnet sondern geschlossen. Bilder lassen sich schlecht verkaufen und Mieten sind teuer. Wer nicht selbst Räume hat oder so wohlhabend ist, dass er vom dem Verkauf der Bilder nicht leben muss, kann sich eine Galerie nicht leisten. Nun bin ich weder reich noch besonders mutig. Ich habe hier einfach eine glückliche Sondersituation. Die Baugesellschaft Meinerzhagen hatte dem Ein-Welt-Laden diese Räume, in denen vorher eine runtergekommene Kneipe war, sehr günstig zu Verfügung gestellt. Da wir so viel Platz für den Laden aber nicht brauchten, andererseits aber für die ganz Fläche die Nebenkosten bezahlen müssen, stellte sich die Frage, was machen wir mit dem übrigen Raum. In dieser Situation kam mir dann die Idee, hier eine Galerie zu eröffnen. In Meinerzhagen gibt es bisher keine Galerie, die Lage ist ganz zentral, sozusagen in der "Guten Stube" der Stadt, sie ist mitten im Leben, für Aufsicht ist in den Geschäftzeiten des Eine-Welt-Ladens immer gesorgt und vor allem: sie ist bezahlbar, wenn auch sicher eher ein "Minusgeschäft".

Eine Galerie bracht natürlich ein Konzept. Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt und muss sich noch aus der Praxis ergeben. Zunächst mal brauchte ich Raum für meine eigenen Bilder. Sie sind zum Teil schon auf dem Schlafzimmerschrank gestapelt. Es ist also so etwas wie Museum Langenohl. Dann habe ich mir vorgestellt, jeweils im Frühjahr und Herbst eine Fremdausstellung durchzuführen.

Dabei möchte ich vor allem unsere Stadt und unsere Region berücksichtigen, d.h. Künstlerinnen und Künstler aus unseren Nachbarstädten und Nachbarkreisen. Ich weiß z.B., dass es im Kreise Olpe gute Künstlerinnen und Künstler gibt, von denen wir hier noch nie etwas gesehen haben.

Eine ganz schwierige Frage ist dann die Auswahl. Zunächst hatte ich an ein Gremium gedacht, um mich dahinter verstecken zu könne, denn ich sage nicht gerne nein. Das ist aber nicht praktikabel und letzten Endes auch „Feigheit vor dem Feind“. Ich habe daher die Absicht, ganz einfach danach zu entscheiden, was mich auf irgendeine Weise anspricht. Entweder, dass die Bilder oder die Skulpturen mich begeistern und in Erstaunen versetzen oder auf irgendeine Weise geheimnisvoll sind und mich deshalb anziehen, auch wenn ich nicht weiß warum. Wenn ich dann Bilder ablehnen muss auszustellen, sagt das über deren Qualität nichts aus, sie entsprechen nur nicht meinem sehr subjektiven Empfinden.

Was mir wichtig ist, sagt einer der großen Bewusstseinforsche unserer Zeit, der Amerikaner Ken Wilber zur Betrachtung von großer Kunst:

„Wenn man zum Beispiel ein großes Werk von van Gogh betrachtet, gewahrt man, was aller großen Kunst gemeinsam ist: die Fähigkeit, uns den Atem zu nehmen, uns ganz buchstäblich innerlich den Atem anhalten zu lassen, zumindest während der ersten Sekunden, in denen man es gewahrt oder es, um genauer zu sein, in unser Wesen eindringt: Man ist ein wenig benommen, ein wenig betäubt, für Wahrnehmungen offen, die man bisher nicht hatte. Manchmal geschieht dies natürlich auch in einer sanfteren Weise: das Werk geht uns langsam ‚unter die Haut’, und doch ist man irgendwie verändert, manchmal mehr, manchmal weniger, aber man ist verändert. Dies ist der Grund, warum Kunst im Osten und Westen gleichermaßen noch bis vor kurzem in einem Zusammenhang mit tiefer spiritueller Transformation gesehen wurde. Und ich meine durchaus nicht nur ‚religiöse’ oder ‚sakrale’ Kunst.“ Etwas in der Richtung sollte sich auch bei mir abspielen, wenn ich Bilder oder Skulpturen ausstellen soll, auch wenn es nicht die ganz große Kunst sein muss, von der Wilber spricht. Ich hoffe, dass diese Galerie eine kulturelle Bereicherung für die Stadt ist und viele Menschen – vor allem auch junge – näher an die Kunst heranführt und ihnen hilft zu leben.

Ein Gang durch meine Galerie

Die Galerie wurde mit meinen Bildern eröffnet

 

 

nach oben zum Seitenanfang