Bilder im Eingangsbereich (Eröffnungsausstellung)

 

„Regenbogen auf braunem Grund“ (2005)

 

Der Regenbogen hat andere Farben als in der Natur. Er beginnt unten mit einem hellgrünen Streifen dann kommt ein gelber, ein orangener, ein rot-orangener, ein roter und ein rot-violetter. Das gibt eine ganz starke Farbwirkung mit fast ausschließlich warmen Farben auf warmem Grund. Diese Bild hatte ich vor einiger Zeit schon mal auf einer kleineren Leinwand versucht. Ich hatte Ölkreiden gekauft, die man mit Terpentin verschmieren kann. Der Regenbogen war allerdings verschmiert und gefiel mir nicht. Es war mir nicht ordentlich genug.

Vorgestern habe ich mein Bild „Regenbogen auf braunem Grund“ im neuen Eine-Welt-Laden aufgehängt, im Eingangsbereich zur neuen Galerie. Es passt gut dahin. Frieden mit der Welt durch faire Preise. Auch von den Farben passt es gut.

Im griechischen Mythos habe ich gelesen, dass der Regenbogen als Pflugspur des Zeus über den Himmel bezeichnet wurde. Das passt gut zu dem braunen Untergrund.

Gestern habe ich dann mein Bild „Besser als gestern, schlechter als morgen“ im Winkel dazu aufgehängt. Beide sehen so aus, als ob sie gerade für diese Stelle gemacht worden seien.

 

„Besser als gestern, schlechter als morgen“ (2005)

 

Das Bild „Regenbogen auf braunem Grund“ erinnerte mich daran, dass ich schon einmal vor vielen Jahren ein Bild mit braunem Grund malen wollte. Das habe ich damals auch gemacht, aber das Braun war mir vollständig misslungen. Ich weiß nicht, warum ich das Bild damals trotzdem zu Ende gemacht habe – vielleicht hatte ich einfach keine Zeit. Ich hatte aber immer vor, das noch einmal richtig zu machen. Zufällig geht es aber auch um ein Noah-Motiv. Eine nur mit Strichen angedeutete – also mehr imaginäre - Taube bringt einen relativ realen grünen Zweig zu einem am linken unteren Rand ins Bild schauendem Kopf. Der Kopf schaut verbittert und verbissen, geisteskrank auf Zweig und Taube. Ich habe damals – wenn ich mich recht erinnere – ein Buch mit dem Titel gelesen: „Besser als gestern, schlechter als morgen“ – ich habe gerade das Buch gesucht und gefunden, es heißt: “Schlechter als morgen, besser als gestern“ von Lisa Alther. Es ging in diesem Buch um eine junge Frau, die keinen Bezug mehr zur äußeren Wirklichkeit hatte, und nach und nach wieder etwas Realität in den Blick bekam. Das hatte mich damals zu diesem Bild angeregt. Nun habe ich das Bild neu gemalt. Das Bild ist nun sehr viel anders geworden. Der Kopf ist z. B. ganz dunkel grau wie der Rahmen. Das Bild kann jetzt auch einen etwas erweiterten Sinn bekommen: der heutige Mensch, der neurotisch und depressiv nur noch skeptisch auf das Friedensangebot der Eigentlichen Wirklichkeit schaut. Hier im Eine-Welt-Laden kann der grüne Zweig auch die Hoffnung von Menschen in der Dritten Welt bedeuten, die durch unsere Arbeit wieder etwas Hoffnung auf die Zukunft gewinnen. In meinen braunen Bildern hat das Braun in etwa die Funktion des weißen Grundes übernommen. Das ist seltsam. Ich empfinde diesen braunen Grund als sehr beruhigend. Er ist wie der Boden, auf dem man pflanzen und sähen kann. Die Offenheit nicht der Transzendenz, sondern der Immanenz.

 

„Frühlingsblumen“ (1977)

 

10.07.77 - Das Bild war angeregt von einem Kalender, den mein Sohn Marcel (8 Jahre) gemacht hatte: Monat März. Eigentlich wollte ich es genauso malen, dann ist es aber eben doch anders geworden. Diese blau-violetten Blumen auf Marcels Blatt, der giftige grüne Boden, der Himmel in den Farben der Blumen und die Sonne, die mit etwas verschlagen lächelndem Gesicht aus der Ecke herausschaut, haben mich sehr fasziniert. Ich glaube, wenn wir wieder in der Lage wären, wie ein Kind die Welt aufzunehmen und wiederzugeben, würden das Kunstwerke ohne Sentimentalität, stark und klar. Solche Bilder anzuschauen, macht uns froh und besser.

Im ersten Augenblick kamen mir die Blumen Marcels sehr hart und erschreckend vor, dann spürte ich aber, welche Kraft in diesem Bilde steckte.

Ähnlich ist es mir vor vielen Jahren schon mal bei einer (gegenständlichen) Winterlandschaft von Kandinzky ergangen. Eine Dorflandschaft mit großen Blauflächen, die mir krass vorkamen. Irgendwann ging mir das Bild aber plötzlich auf. (Es heißt übrigens: Friedhof in Kochel) Je länger ich es anschaute, desto schöner wurde es.

 

„Der Geist des Zeitalters“ (1991)

 

Das Bild wird von einem kahlen starrnackigen Kopf beherrsch, der nach rechts schaut. Er macht einen sehr rationalen und gefühllosen Eindruck. Der Pfeil, der von der Stirn ausgeht, zeigt ganz deutlich, dass er seinen Willen auf sein Ziel gerichtet durchsetzen wird. Er schaut in ein gefährlich kriegerisches Rot hinein. Auf der linken Seite des Bildes ist ein weißes Tier zu sehen. Es erinnert an ähnliche Tiere bei Chagall. Es ist eine Mischung zwischen Ziege und Pferd: eine arme Kreatur, die gegen diesen starren Kopf keine Chance hat. Sie scheint in Agonie ihre Augen zu verdrehen und „fällt hinten runter“. Das Gründ symbolisiert die Natur.

Das Bild ist entstanden, nachdem ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin in Lipipizza Reiturlaub gemacht hatte.

Verschiedene Erfahrungen sind in das Bild eingeflossen, die aber durchaus eine Beziehung zueinander haben:

* Wir hatten eine schwere Partnerschaftskrise und ich hatte meiner damaligen Partnerin sehr radikal klar gemacht, dass ich unter diesen Bedingungen nicht mehr mit ihr zusammen bleiben möchte.

* Ich hatte beobachtet, wie eine relativ zierliche Reiterin einen kräftigen braunen Hengst zuritt. Er wehrte sich und schäumte, aber die Reiterin zwang ihm ihren Willen auf.

* In einem Aufenthaltsraum im Hotel hing ein Bild an der Wand mit einem weiße Pferd und irgendwie Grün. An mehr erinnere ich mich nicht mehr. Das Bild war künstlerisch aber sehr gut.

Das Bild kann über den individuelle Erfahrungshintergrund hinaus den Kampf des technischen Zeitalters gegen die Natur symbolisieren, das „Männliche“ gegen das „Weibliche“, das (scheinbar) Rationale gegen das Intuitiv/Naturhafte.

Wer möchte kann in dem Kopf auch ein Symbol für einen Atommeiler sehen, der uns über Jahrtausende unerbittlich seine Herrschaft aufdrängt.

 

 

"… auf Steinen" (1986)

 

Sie sehen eine Frau oder einen Mann auf bunten Steinen sitzen, in sich gekauert und ängstlich von untern nach oben schauend. Der ganze Horizont ist mit „toten“ Steinen ausgefüllt.

Das Bild stellt eine Fehlhaltung des Menschen dar: ein Mensch, der sich in sich verschließt und sich „schön“ einrichtet.

Geplant war auch noch ein Bild mit einem Ideologen. Er sollte etwas geschunden am linken Rand des Bildes mit dem Gesicht zum Rahmen in einer weiten Landschaft mit tiefem Horizont stehen. In der Ferne kleine Häuser einer Stadt oder eines Dorfes. Das ist aus Zeitgründen nicht gemalt worden.

 

„Mein Geburtshaus mit Mond“ (1980)

 

Das Bild geht auf eine Kindheitserinnerung zurück.

Meine Mutter ging fast jeden Tag mit meinen beiden Geschwistern und mir zum etwas entfernt gelegenen Bauernhof, von dem sie stammte, um in der Landwirtschaft zu helfen, da die Männer im Kriege waren. Von meinem Vater hatten wir – wie ich im Nachhinein erfahren habe – schon länger nichts gehört.

Abends auf einem Nachhauseweg – es war schon dunkel - stand der Vollmond hell am Himmel und wir gingen auf mein Geburtshaus zu. Das Haus machte im Mondschein einen gespenstigen Eindruck. Im Hintergrund ragten dunkle Tannen empor. Meine Mutter schaute zum Mond und sagte, unser Vater könnte den jetzt auch sehen. Da schwang wohl viel Sehnsucht mit.

Aus dieser Erinnerung hat sich das Bild entwickelt.

Das Haus mit seinen kalten quadratischen Fenstern und der gleichartigen Tür spiegelt die Zeit wieder. Das Haus hatte über der Haustür ein Vordach, das wie ein Schnäuzer aussieht und die abgeschrägte Spitze des Walmdaches erinnert an eine Haarfrisur. Das Haus hat ein Gesicht. Das dunkle Grün der Tannen scheint das Haus zu bedrohen. Trotzdem fühlte ich mich durch meine Mutter geborgen. Dieses Urvertrauen wird durch den roten Überhimmel dargestellt, ohne den das Bild unerträglich wäre.

 

„Der Sündenfall“ (1986)

 

Das Bild entstand, als ich mich 1986 intensiv mit Drewermanns grundlegendem Werk „Die Strukturen des Bösen“ auseinandersetzte. In den Osterferien machten wir Urlaub im damaligen Jugoslawien in Orebitsch (nördlich von Dubrownik). Als ich morgens aufwachte, stieg dieses Bild als Intuition auf. In dieser Intuition war das Bild von oben nach untern mit schwarzen Streifen durchzogen. Das gab ihm ein sehr düsteren Ausdruck. Diese schwarzen Streifen habe ich aber bei der Herstellung in den Rahmen verlegt. Der schwarze Rahmen zusammen mit dem von oben nach unten sich in’s Blutrote verfärbende Rot des Hintergrundes gibt dem Bild etwas bedrohliches, auch wenn der Baum mit den Äpfeln und die Frau das Bild beherrschen und eher freundlich und verführerisch wirken.

Die zentrale Figur des Bildes – auch wenn sie nicht in der Mitte ist, ist der in der linken unteren Ecke sich zusammen kauernde blaue Mann. – Man kann das Bild auch so sehen, dass der Mann die reale Eben des Bildes ist, und alles andere seine Vorstellung. - Das Blau ist der Ausdruck seiner Angst. Wovor hat er Angst? Die verführerische Frau, die ihm den Apfel reicht, zieht ihn gleichzeitig an – sexuell, als Lebenskraft, auch in Verbindung mit dem Baum als das Mütterliche – und sie macht ihm gleichzeitig Angst. Der zu Bewusstsein gekommene Mensch ist immer gefährdet, wieder regressiv in den Bann des Mütterlichen gezogen zu werden. Das ist seine große Sehnsucht und gleichzeitig seine große Angst, die Angst, sich zu verlieren.

Besonders Männer sich wohl in diesem großen Zwiespalt. Sie mussten sich als Kind von ihrem geliebtesten Objekt abtrennen, um eine selbständige Person zu werden, wie es Aufgabe jedes Menschen ist, sie mussten sich auch deshalb abtrennen, um ihre Rolle als Mann zu finden. So ist es nicht verwunderlich, das Untersuchungen zu Folge ein hoher Prozentsatz von Männern – wenn auch oft unbewusst - Angst vor Frauen hat. Ein Mann sucht die Frau und wenn er ihr sehr nahe gekommen ist, flüchtet er wieder.

 

 

„Katze vor dem Fenster“ (etwa 1983)

 

Unsere Katze saß vor einem Gaubenfenster im Wohnzimmer und schaute nach draußen. Sie machte den Eindruck, als ob sie auch eine ganz leise Ahnung von etwas Jenseitigen hätte. Sie schaut in ein weißes Fenster.

Auch die Katze hat Buddhanatur, würde der Buddhist sagen und der Heilige Paulus spricht von der ganzen Schöpfung, die der Erlösung harrt.

 

„Buddha“ (1985)

 

Buddha sitzt in Meditationshaltung. Seine Hände bilden das Mudra, die Handhaltung der Erleuchtung. Die lichte gelbe Gestalt erhebt sich aus dem Blau seines weiten Gewandes und dem blauen Rahmen des Bildes. Der Hintergrund ist rosa.

Das Bild gibt die Lehre des Hinduismus wieder: Sat, Cit, Ananda, das ist Sein (das Blau), aus dem alles hervorgeht und Bewusstsein (das Gelb), das sich aus diesem Sein erhebt und Seligkeit (das Rosa), die entsteht, wenn sich das Sein seiner selbst bewusst wird. Das ist in gewisser Weise die „Dreifaltigkeit“ des Hinduismus.

Interessant für mich ist, dass ich dieses Bild gemalt habe, bevor ich diese Lehre kannte.

 

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