Auswahl meiner Bilder (bis 2000)

 

 

 

"Ankh – Agyptisches Symbol des Lebens, des Universums und des Menschen“ (1990) - 59 x 49 cm

 

 

"Der Geist des Zeitalters“ (1991) - 60 x 60 cm

 

Das Bild wird von einem kahlen starrnackigen Kopf beherrsch, der nach rechts schaut. Er macht einen sehr rationalen und gefühllosen Eindruck. Der Pfeil, der von der Stirn ausgeht, zeigt ganz deutlich, dass er seinen Willen auf sein Ziel gerichtet durchsetzen wird. Er schaut in ein gefährlich kriegerisches Rot hinein. Auf der linken Seite des Bildes ist ein weißes Tier zu sehen. Es erinnert an ähnliche Tiere bei Chagall. Es ist eine Mischung zwischen Ziege und Pferd: eine arme Kreatur, die gegen diesen starren Kopf keine Chance hat. Sie scheint in Agonie ihre Augen zu verdrehen und „fällt hinten runter“. Das Grün symbolisiert die Natur.

Das Bild ist entstanden, nachdem ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin in Lipipizza Reiturlaub gemacht hatte.

Verschiedene Erfahrungen sind in das Bild eingeflossen, die aber durchaus eine Beziehung zueinander haben:

* Wir hatten eine schwere Partnerschaftskrise und ich hatte meiner damaligen Partnerin sehr radikal klar gemacht, dass ich unter diesen Bedingungen nicht mehr mit ihr zusammen bleiben möchte.

* Ich hatte beobachtet, wie eine relativ zierliche Reiterin einen kräftigen braunen Hengst zuritt. Er wehrte sich und schäumte, aber die Reiterin zwang ihm ihren Willen auf.

* In einem Aufenthaltsraum im Hotel hing ein Bild an der Wand mit einem weiße Pferd und irgendwie Grün. An mehr erinnere ich mich nicht mehr. Das Bild war künstlerisch aber sehr gut.

Das Bild kann über den individuellen Erfahrungshintergrund hinaus den Kampf des technischen Zeitalters gegen die Natur symbolisieren, das „Männliche“ gegen das „Weibliche“, das (scheinbar) Rationale gegen das Intuitiv/Naturhafte.

Wer möchte kann in dem Kopf auch ein Symbol für einen Atommeiler sehen, der uns über Jahrtausende unerbittlich seine Herrschaft aufdrängt.

 

 

"Die schwarze Sonne“ (1991)

 

Den Hintergrund dieses Bildes kenne ich nicht mehr. Es könnte sein, dass es mit dem 1. Irakkrieg zu tun hat.

Die schwarze Sonne, sol nigra, spielte in der Alchemie eine Rolle als Ausgangsstufe auf dem Weg zur Herstellung von Gold. Die schwarze Sonne wird auch als Symbol für die unterirdische Kraft und den Drachen gesehen, der durch die helle Sonne bekämpft wird.

Auf meinem Bild ist die schwarze Sonne im rechten unteren Quadrant des Bildes zu sehen. Dieser Quadrant steht im Raumschema nach Grünewald für Materie, Hölle, Verfall, Dämonie und Erde. Es steht auch für das Mütterliche, in diesem Fall dann für die Regression in einen früheren unbewussten Zustand. Die „Strahlen“ dieser Sonne muten eher wie schwarze Balken an, die den Bildraum gefährlich blockieren. Eine Betrachterin sah in diesen „Strahlen“ Gewehrkolben. Aus der schwarzen Sonne gibt es kein Entrinnen. Auch ein Bild des Krieges, aus dem es kein Entkommen gibt.

 

 

"Älterer Mann und jüngere Frau“  (1992) 

Ich lebte damals mit einer etwa 20 Jahre jüngeren Frau zusammen. Ich nehme an, dass das der Hintergrund für dieses Bild war.

Das Bild könnte die Energien dieser beiden Personen wiedergeben.

Der Kopf der Frau nur in Rot und Orange - sehr energiereiche Farben, die den beiden unteren Chakren zugerechnet werden - und die ganz nach außen gerichteten weit geöffneten Augen. Der Kopf des Mannes ist Blau-Violett - eine kühlere Farbe und den beiden oberen Chakren zuzuordnen - und die Augen ganz nach innen gewandt. Auf dem Kopf noch ein gelber Kreis, der für den Bezug zum Geistigen steht.

Der Braune Grund und der braune Rahmen könnten etwas mit der Erdbezogenheit zu tun haben.

 

 

"Psalm 23 –Der Herr ist mein Hirt, er weidet mich auf grüner Au“ (1992) - 82 x 62 cm

 

Der Psalm 23 ist für mich der schönste Psalm. Er ist sehr tröstlich und gibt Hoffnung.

Den Mittelpunkt des Bildes ist das große grüne Feld als Weide, auf der ich getrost „grasen“ kann trotz aller Bedrängnis. Alle vier Quadranten des Bildes, alle Lebensbereiche, sind durch die schwarze Holzkohle eingefasst und auch das mittlere Feld. Die Kohle steht für etwas Totes und Bedrohliches.

 

 

"Spuren im Sand“ oder „Wissenschaftliche Erkenntnis“ (1992) - 98,5 x 70,5 cm

 

Dieses Bild entstand, als ich mich für den Religionsunterricht mit unserem heutigen naturwissenschaftlichen Weltbild auseinander setzte. Ich hatte dabei den Eindruck, dass unsere Erkenntnis immer vorläufig ist und wir – indem wir die Natur erforschen - der Wirklichkeit die Spuren unseres Verstandes aufprägen. Unsere Erkenntnisse sind durchaus auf die Wirklichkeit bezogen, begreifen sie aber nicht. Wie der indische Weise Krishnamurti sagt: „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.“ Wir belegen dieses Land mit Pfaden.

Die in den Sand auf dem Bilde und um die Steine herum gezogenen gelben Linien sollten diese von uns gezogenen Pfade darstellen.

Eine Bestätigung für eine solche Auffassung gibt auch Kant. Der Philosoph R. D. Precht schreibt dazu in seinem Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“, München 2007: „Kant dagegen meint, dass diese ‚wahre’ Natur dem Menschen gar nicht zugänglich sei. Warum sollte er sie erkennen können? Wie auch immer uns die Ordnung der Natur erscheint, geordnet wird sie im menschlichen Gehirn. So wie Farben nicht von der Natur erzeugt werden, sondern von unserm Auge und unseren Sehnerven, so erschafft sich der menschliche Geist eine Ordnung, die er der Natur überstülpt.“

 

"Danijars Gesang“ (1992) - 88 x 75 cm

 

„Danijars Gesang” (1992)

Der große kirgisische Dichter Tschingis Aitmatow kam 1992 nach Meinerzhagen zur Lesung. Im Vorfeld hatte ich von ihm Djamila oder Dshamilja gelesen, nach Louis Aragon die schönste Liebesgeschichte der Welt. In dieser Liebesgeschichte ist der Gesang des Danijar für mich die eindruckvollste Passage. Das Bild soll diesen Gesang verbildlichen. Zum Verständnis der Geschichte eine kurze Zusammenfassung:

„Said, ein 15-jähriger Junge, erzählt die Liebesgeschichte seiner Schwägerin Dshamilja. Während Dshamiljas ungeliebter Mann, Sadyk, an der Front kämpft, lernt sie Danijar bei den täglichen Getreidefuhren zum Bahnhof mit ihm kennen. Er ist ein teilinvalider Frontheimkehrer, scheu, träumerisch und von den Menschen im Dorf gemieden. Erst als er eines Tages ein Lied singt, bemerkt Dshamilja, dass in ihm ungeahnte Qualitäten stecken. Er singt von der Landschaft und vom Leben und auch Said ist hingerissen von ihm. Dshamilja und Danijar verlieben sich ineinander und Said, der bisher versucht hat, Dshamilja von Männern fernzuhalten, da er selber auf eine für ihn noch unbegreifliche Weise in Dshamilja verliebt ist, billigt dies. Nach Sadyks Heimkehr von der Front eskaliert die Situation und die zwei Verliebten verlassen das Dorf und brechen so die Tradition, um miteinander leben zu können.” (Wikipedia, Stichwort Dshamilja)

Der Gesang kann in diesem Text natürlich nur schwach beschrieben werden - es ist nach meiner Erinnerung auch nicht nur ein Lied - und auch die Sperrigkeit von Danija kommt in der Beschreibung nicht gut genug heraus.

Im Gesang aber durchbricht Danija seine durch schlimme Kriegserlebnisse geprägte dunkle Seelenlandschaft und offenbart sein reines und leuchtendes Wesen, das durch die klare gelbe Farbe dargestellt wird.

Djamila erkennt ihn nun, ihn, den sie bisher eher verspottet hat, und kann nicht mehr anders als ihn lieben.

 

 "Weg der Meditation“ (vielleicht 1993) - 90 x 80 cm

 

Ausgangspunkt dieses Bildes war das Gefühl, dass ich mich über Jahre mit Meditation und Kontemplation beschäftigt hatte, aber irgendwie nicht weiter kam. Ich hatte das Gefühl von etwas Stacheligem und Metallischem, das mir im Wege stand. Um dieses Gefühl in einem Bilde auszudrücken, schien mir ein Materialbild mit Blechschrott am geeignet. Ich fuhr daher nach Attendorn zu dem Schrottplatz hinter dem Bahnhof, um entsprechendes Material zu besorgen. Der Betreiber wollte aber gerade schließen und ich musste unter dieser Drohung ganz schnell etwas zusammen raffen. Dabei ist es mir wohl gelungen, den passenden Blechschrott zu finden, der es mir dann erlaubte innerhalb von nur etwa einer halben Stunde dieses Bild zu gestalten.

Der Grund des Bildes ist Rot und Blau durchmischt. Das Kalt und Warm ineinander ist etwas schmerzend.

Das Bild kann vom unteren rechten Quadranten aus gelesen werden. Das Gebilde mit einer runden Ausstanzung kann für das Entstehen des Menschen aus dem Mütterlichen stehen. Von Natur aus ist der Mensch offen und auf das Ziel ausgerichtet: im oberen linken Quadranten die runde Form, die in das  ausgestanzte Loch passt. Das Runde als das Vollkommene und der obere rechte Quadrant als Bereich des im Göttlichen zur Ruhe Kommens.

Der Lebensweg und der Weg der Meditation sind vom unteren linken Quadranten aus zu lesen in Richtung auf den oberen rechten. Die halbrunden geöffneten Formen können als Erfahrungen in Meditation und Kontemplation gelten. Sie sind immer nur anfanghaft – der Kreis ist nicht geschlossen - und auf dem Lebensweg verstreut. Eine Form, die wie ein kleiner Vogel aussieht, kann an die erfüllende Erfahrung von spielenden Kindern erinnern und die Penisform an die erfüllende Erfahrung der (sexuellen) Liebe. In der Mitte des Bildes ist ein Pfeil, der zu der runden Form oben links weist. Theoretisch weiß ich alles, was zu tun ist, um zur Erfahrung der Erleuchtung zu kommen. In der täglichen Praxis fehlt die Verwirklichung. Diese Erfahrung des Mangels ist quälend und sticht wie die zum Bild hin und aus dem Bild herausragenden metallenen Halbkreisformen, die nicht zusammen kommen.

 

 

"Erinnerung an Zärtlichkeit: nach der Trennung von Ulrike“ (1995) - 60 x 60 cm

 

 

 

"Wounded Heart“ (1995) - 80 x 60 cm

 

 

"Sehnsucht nach Zärtlichkeit" (1996) - 60 x 50 cm

 

 

"Ich suche eine Frau“ (1996) - 60 x 50 cm

 

 

"Ich habe Gretel gefunden“ (Sommer 1996) - 58 x 58 cm

 

Im Februar 1996 habe ich Gretel (meine Frau) gefunden. Die Farben zeigen, wie ich sie empfunden habe. Die Mitte ist ein helles starkes Rot für Liebe und Leidenschaft, umrandet von einem fruchtbaren und hoffnungsvollem Grün. Der blaue Rahmen trägt das Bild und deutet auf ihre Mütterlichkeit (die mir manchmal zu schaffen macht).

 

 

"Es ist auch Gretel und ich“  (1996)

 

Als meine Frau Gretel und ich uns kennen lernten, haben wir ein Wochenende an der Holländischen Nordsee zugebracht. Trotz des schlechten Wetters sind wir stundenlang am Strand gewandert. Dieser Erfahrung des gemeinsamen Gehens und der Beginn eines gemeinsamen Lebensweges sollte in diesem Bilde festgehalten werden. Zunächst schwebten mir Fußspuren im Sande vor. Dann kam mir aber die Intuition mit unseren Schuhen. Sie sind ganz persönlich und individuell und authentischer als gemalte Schuhe sind die realen Schuhe.

Gretel war nicht begeistert, dass ich ihr auf diese Weise die Schuhe entzog, in denen sie besonders gut laufen konnte. Für mich war es einfacher. Ich hatte bei einer Fahrt nach Prag mal ganz billig Schuhe gekauft, die mir aber hinterher nicht gefielen.

 

 

"Abba, Gott der gütige Vater“ (1999) - 88,5 x 78 cm

 

Sie sehen ein kleines weißes Haus auf einem sehr unsicheren grünen Grund. Nur durch diesen orangeroten weiten Himmel wird diese Situation wohltuend aufgefangen. Der dunkelviolette Rahmen gibt dem Ganzen etwas Feierliches. Ich habe das Bild „Abba, Gott, der liebende Vater“ genannt, weil das so meiner Erfahrung entsprach. Es ist das Gottesbild von Jesus von Nazareth.

Das Bild zeigt eine Religiosität, die sehr tröstlich ist und Generationen von Menschen getragen hat, auch wenn die Lebensbedingungen schlimm waren. Dieses Weltbild ist in der Neuzeit immer mehr verloren gegangen. Unsere heutige Welt ist von rationalem Zweckdenken bestimmt und die Verstandesebene beherrscht die heutigen westlichen Gesellschaften.

Natürlich ist das durch die Aufklärung zur Herrschaft gekommene rationale Denken ein großer Fortschritt in der Menschheitsgeschichte und in der Entwicklung des Bewusstseins. Dieses rationale Herangehen an die Wirklichkeit war aber so erfolgreich, dass es alle anderen Bewusstseinsebenen an den Rand gedrängt hat und damit auch die spirituelle, den Bezug zur Transzendenz, dem Jenseitigen.

 

"Sonnenuntergang am Meer“ (1999) - 80,5 x 66 cm

 

In gewisser Weise finde ich immer meine Bilder. Meistens steigen sie in meiner Intuition auf, von selbst oder angeregt durch eine äußere Erfahrung, die sich dann verdichtet oder durchdrungen wird.

Eine Durchdringung stellt das Bild „Sonnenuntergang am Meer“ (Holland) dar.

Als Hintergrund: Ich bin, was Sonnenuntergänge angeht, sehr gebeutelt. Meine Frau Gretel will - vor allem im Urlaub - immer Sonnenuntergänge erleben, von einer Stunde vorher bis eine Stunde nachher. Dafür müssen wir die größten Anstrengungen machen. Für mich sind Sonnenuntergänge aber auch etwas Melancholisches, bei aller faszinierenden Schönheit.

In den Herbstferien 1999 saßen wir hoch auf den Dünen in einem  Sonnenuntergang. Als ich meinen eher traurigen Gefühlen auf den Grund ging, konnte ich das konkrete Gefühl und die konkrete Situation durchdringen. Von der Traurigkeit des Zu-Ende-Gehens und des Todes auf die Hoffnung eines Weiterlebens hin. Es entstand in mir eine rosa Sonne auf weißem Grund mit einem Rahmen aus den kräftigsten Farben des mich umgebenden Sonnenuntergangs. Damit konnte ich dann auch den Sonnenuntergang mit einer tiefen Freude auf mich wirken lassen.

Die Rosa Sonne ist ein Motiv, das schon in einem früheren Bild als Symbol für Weiterleben oder Auferstehung zu finden ist („Ecce homo“). Runde Gestirne der verschiedensten Färbung kommen immer wieder in meinen Bildern vor und symbolisieren das Göttliche. Rosa ist für mich eine Farbe der sanften Ruhe, der Zärtlichkeit. Das Rot der Liebe und der Leidenschaft ist so gemildert, dass man dort zur (ewigen) Ruhe kommen kann.

Die Farben des Rahmens für die äußere Erfahrung des Sonnenuntergangs - eine symbolische Verdichtung dieser Farben - standen mir im scharfen Blutrot und im tiefen dunklen Grün des verblassenden Tages vor Augen. Das Schwarz symbolisiert - wie häufig - den Zusammenhang mit der äußeren Wirklichkeit und der Unvermeidbarkeit des Todes. Wie auf tibetischen Mandala-Darstellungen wird das Bild vom Dämon des Todes gehalten.

Beim Einrahmen des Bildes ist dann etwas Wichtiges für die Entwicklung auch der kommenden Bilder geschehen.

Als ich das Bild in den Schattenrahmen setzen wollte, schien mir das unpassend zu sein. Mir kam die Idee, den Rahmen auf das Bild zu setzen. Die äußere Wirklichkeit auf dem transzendenten Hintergrund, aus dem unsere ganze Wirklichkeit hervorgeht.

Es ist ja auch nicht die Natur selbst, die mir ihre Schönheit zeigt, es ist mein Empfinden und meine Intuition, durch die sie Schönheit bekommt und als Manifestation des Göttlichen erscheint. In der Natur zeigt sich durch mich hindurch die Schönheit.

„Ein zusätzliches Licht kam aus meinem Geiste, welches der untergehenden Sonne neuen Glanz verlieh.“ (Wordsworth)

 

 

"Morgensonne“  (1999) - 80,5 x 66 cm

 

Nach dem Bild „Sonnenuntergang am Meer“ habe ich noch zwei weitere Bilder dieser Art gemacht. Aus dem strahlenden Sonnenaufgang am anderen Morgen ist das Bild „Sonnenaufgang“ entstanden.

Das Bild „Sanfte Nacht“ habe ich dann später Zuhause gemacht. Es hat vielleicht auch schon mit Weihnachten zu tun.

Auch bei diesen beiden Bildern habe ich die  Rahmen auf die Bilder gesetzt. Die äußere Wirklichkeit auf den transzendenten Hintergrund - die ursprünglich weiße Fläche -, aus dem unsere ganze Wirklichkeit hervorgeht.

Es ist ja nicht die Natur selbst, die mir ihre Schönheit zeigt, es ist mein Empfinden, durch die sie Schönheit bekommt und als Manifestation des Göttlichen erscheint. In der Natur zeigt sich durch mich hindurch die Schönheit, die wiederum durch das Bild auf das „Göttliche“ verweist.

Im Rahmen, der die äußere Wirklichkeit repräsentiert, hallt im Schwarz und Blau noch die Kühle der Nacht nach und im Rot der Sonnenaufgang. Das monochrome Gelb der Bildfläche bildet das strahlende Gelb der Sonne ab, die ja gleichzeitig ein Symbol für das „Göttliche“ und die Erfahrung des „Göttlichen“ in der Erleuchtung ist.

 

 

"Sanfte Nacht“  (1999) - 80,5 x 66 cm

 

Nach dem Bild „Sonnenaufgang“ hatte ich das Bedürfnis, auch ein Bild der Nacht zu machen.

Im Schwarz und Gelb des Rahmens zeigt sich die äußere Wirklichkeit: das Dunkel der Nacht im Schwarz und der noch nachhallende Widerschein des Tages im Gelb. Die monochrome violette Bildfläche gibt meine Erfahrung wieder: Das Violett als Farbe der Verbindung mit dem Göttlichen, dem man in einer „sanften“ Sommernacht näher ist. Violett ist auch die Farbe des 6. Chakras.

 

"Lichtstreifen“  (2001) - 80,5 x 66 cm

 

„Lichtstreifen“  (2001)

Mein Bild „Lichtstreifen“ - stille Freude aus einer transzendenten Welt - entstand nach einer Zeit spiritueller Trockenheit und Qual. Unvermittelt kam eine stille Freude auf, die zu einer tiefen Entspannung führte. In dieser Situation sah ich das Bild vor meinen Augen.

Der violette Rahmen weist auf den spirituellen Zusammenhang hin.

Eine Parallele zu dieser Erfahrung habe ich jetzt in einer Aussage eines jungen Mannes gefunden: „Es begann damit, dass ich einen Einblick in das hatte, was Wirklichkeit ist. Es schien ein kleines schimmerndes Licht am Rande meines Blickfelds zu sein. Danach stellte sich Entspannung ein. Schöne Erfahrungen kamen und gingen ganz von selbst, und mit ihnen kam das Verstehen, dass dies alles Gnade ist. Es gibt nichts, was ich dazu tun kann.“ (Gangaji: Du Bist Das II, Freiburg, 2000, S. 116)

Vielleicht bedarf es einer gewissen Affinität, damit jemand von einem solchen Bild angesprochen wird. Gestern war eine junge Frau bei uns, die schon viele Meditationskurse bei mir mitgemacht hat. Sie war gleich von diesem Bild begeistert. Und auch für mich sind solche Bilder sehr schön. Immer, wenn ich sie anschaue - vor allem in der ersten Zeit ihres Entstehens - rufen sie die Anfangserfahrung wieder hervor.

Noch eine Bemerkung zur Einfachheit: Tiefe hat mit Einfachheit zu tun, nicht mit Kompliziertheit. Das gilt meiner Meinung nach nicht nur für den Bereich der Spiritualität, sondern auch für die Kunst. Einfach wird oft mit simpel verwechselt. Bei einigen meiner Bilder hat schon mal jemand gesagt: „Das könnte ich auch!“ Wer einfach etwas Simples macht, vergisst, dass Kunst mit Wahrheit zu tun hat, sonst ist es im besten Falle Dekoration.

Aus der Wahrheit kommt die Einfachheit.

Ein komplexes Bild ist natürlich für die meisten Menschen unmittelbar interessanter. Bei ganz „einfachen“ Bildern meinen sie gleich mit einem Blick zu sehen, was es ist, z. B. eben ein paar gelbe Streifen in der linken oberen Ecke. Vielleicht hat der eine oder andere auch Angst, auf „des Kaisers neue Kleider“ hereinzufallen. Dazu kommt vielleicht noch die Angst vor der Leere.

 

"Das ewig Weibliche zieht uns hinan“ (2001) - 80,5 x 66 cm

 

Das Bild gehört in die Reihe „Sonnenuntergang“. Der Rahmen liegt auf der Leinwand.

Auch bei diesem Bild geht es in gewisser Weise um eine Durchdringung.

Ich war mit meinen Stammtischbrüdern mit einem Tanzzug in einem Hotel in Sonthofen. Erster Zweck solcher Veranstaltungen sind wohl amouröse Abenteuer. Da ich an solchen Abenteuern zu der Zeit aber kein Interesse hatte - ich hatte die Fahrt nicht mit ausgesucht - saß ich nach dem Abendessen am Tisch und der Tanz begann. Auch wenn ich - oder gerade weil ich - persönlich auf die anwesenden  Frauen bezogen keine Interessen hatte, ging mir die Schönheit der Frauen und die wunderbaren Erfahrungen, die man mit ihnen machen kann, auf. Ein Gefühl von Dankbarkeit und Freude stieg in mir auf, dass es das Weibliche gibt, und vor meinen Augen entstand das Bild. Es waren gleich die drei  Streifen da, die in der linken Bildhälfte von unten schräg nach links oben verliefen, die sanften Farben Rosa und Türkisgrün und auch der rote Streifen am Rosa und ein fröhlich roter Rahmen - das starke Blau war noch nicht so klar da.

Zur Interpretation fällt mir folgendes ein:

Mit der Farbe Rosa verbinde ich Zärtlichkeit und sanfte Liebe. Rosa taucht daher auch im Rahmen des „Bild mit den Seerosen“, das ich für Johanna gemalt habe, beim Porträt Johannas im Kleide und auch - nach der Trennung von Ulrike - im Bilde „Erinnerung an Zärtlichkeit“ auf. Die zweite Farbe im Rahmen des Bildes mit der Seerose ist Blau. Auch im Porträt Johannas erscheint es in den großen Kragenspitzen, der Rahmen des Bild „Ich habe Gretel gefunden“ ist ebenfalls blau und blau ist der Schal auf dem Bild „Ich suche eine Frau“.

Mit Blau verbinde ich das elementar Frauliche und Mütterliche. (Vielleicht war das Blau nicht gleich so klar da, weil das Mütterliche im Sonthofener Zusammenhang nicht so eine Rolle spielte.) Mit dem starken roten Streifen am Rosa verbinde ich in diesem Zusammenhang mehr das Leidenschaftlich-Sexuelle. Im Bild „Ich habe Gretel gefunden“ bildet Rot das dominierende Zentrum, wenn auch mehr zum Fröhlichen - Freudigen hin, wie der strahlend rote Rahmen dieses Bildes. Was ich bei Türkis empfinde, kann ich nicht gut beschreiben. Es hat mit Ferne und Sehnsucht zu tun.

Warum die Streifen an dieser Stelle in diese Richtung laufen, weiß ich nicht. Der Titel, der mir zum Bild eingefallen ist, lässt die Streifen als Himmelsleiter deuten. (Der linke obere Bereich eines Bildes ist ja oft auch der Bereich des „Im Göttlichen – zur - Ruhe-Kommens“.

 

 

 "Nunc fluens“ – das fließende Jetzt. (2001) - 80,5 x 66 cm

 

Auch bei diesem Bild ist der Rahmen auf die Leinwand gesetzt, d. h. der Rahmen stellt die äußere Wirklichkeit dar und die weiß Leinwand die unendliche jenseitige. Die beiden farbigen Steifen laufen auf diesem Hintergrund von links nach rechts. Sie sind so strukturiert, dass sie aussehen wie kleine Striche, die nebeneinander gesetzt sind. In meiner Intuition stellte der grüne Streifen das Leben dar, wie es von einem Augenblick zum anderen dahin läuft. Er wird von dem violetten Streifen ständig begleitet, der unter dem grünen herläuft: das Streben nach Spiritualität.

Alle großen religiösen Traditionen, aber auch Philosophen und Atomphysiker sagen uns, dass wir nur in der Gegenwart leben können. "Leben im Hier und Jetzt" ist auch das Rezept zur Heilung bei vielen therapeutischen Richtungen.

Was ist Gegenwart?

Gegenwart ist der Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht.

Was ist Vergangenheit? Vergangenheit ist alles, was vorbei ist, also in der Gegenwart nicht mehr ist. Sie wurde erlebt, als sie Gegenwart war.

Was ist Zukunft? Zukunft ist alles, was noch kommt. Sie ist also noch nicht. Wann erlebe ich sie? Wenn sie Gegenwart geworden ist.

Ich erlebe immer nur Gegenwart. Vergangenheit besteht nur aus Erinnerungsbildern, die ich in der Gegenwart erlebe, Zukunft besteht nur aus Erwartungen und Vorstellungen, die ich ebenfalls nur in der Gegenwart erlebe.

Was ist nun diese Gegenwart?

Wenn ich darüber nachdenke, bleibt für die Gegenwart keine Zeit übrig. Bis in die letzte hun¬dertstel und tausendstel Sekunde ist alles immer schon Vergangenheit. Wenn die erfahrene Wirklichkeit des jetzigen Augenblicks als Gegenstand in mein Bewusstsein kommt, ist sie schon vorbei. Die Gegenwart hat keine Zeit. Zeit kann immer nur Vergangenheit oder Zukunft sein, ist damit eine Illusion, denn was erlebbar ist, ist nur die Gegenwart und die ist nicht in der Zeit.

Dass wir die Gegenwart dennoch als Zeit erleben, ist ein Zeichen dafür, dass wir nicht in der Gegenwart sind. Gegenwart bedeutet dann etwas anderes, als in den oben genannten Traditionen. Diese "Gegenwart" erleben wir als einen Zeit-Raum, den wir uns unbewusst konstruieren, der aber nur in unserer Vorstellung existiert (Wenn ich Gegenwart in diesem Sinne meine, setzte ich sie in Anführungszeichen.). Wir nehmen das, was noch frisch in unserem Erlebnisfeld ist und verbinden es mit dem, was wir als nächste Erwartung schon vor uns sehen. Dieses Bild nennen wir "Gegenwart". Es besteht aus etwas Vergangenheit und etwas Zukunft. Die Ränder sind dabei unscharf. Diese "Gegenwart" ist der flüchtige Augen¬blick von ein paar Sekunden (lat.: nunc fluens - das fließende Jetzt).

Die Gegenwart, die in der Meditation und Kontemplation angestrebt wird, ist zeitlos, sie fällt aus der Zeit. Die Zeit steht still (lat.: nunc stans - das stehende Jetzt). Im Erlebnis der Gegenwart erlebe ich Zeitlosigkeit. Das Erleben dieses Augenblicks ist reines Gewahrsein, gedankenfreie Wahrnehmung. Es liegt vor meinen Vorstellungsbildern und damit vor meinem Denken. Das Denken wird dabei nicht unterdrückt, sondern dem Denken wird sozusagen der Boden entzogen. Es entsteht gar nicht erst mehr. Ich erlebe einen solchen Zustand, wenn ich staune. Ich nehme die Situation hellwach wahr, ohne zu denken. Erst wenn mein Denken einsetzt, ist der Zauber vorbei.

Im Zustand der Gegenwart nehme ich die Wirklichkeit wie von innen heraus wahr, als eine Einheit. Ich bin nicht mehr getrennt von ihr. Es ist noch die gleiche Wirklichkeit - der Baum, die Wiese, der blaue Himmel -, aber ich erlebe sie anders.

Die Flucht aus der Gegenwart

Nur im Hier und Jetzt ist Leben und Glück. Wir haben eine Ahnung von diesem Glück, wenn wir uns erwartungsvoll auf die Zukunft ausrichten. Warum gehen wir nicht dorthin, wo es zu finden ist, in das Nun der Gegenwart?

”Die Rose unter meinem Fenster verweist nicht
auf frühere Rosen oder besser; sie sind, was sie sind;
sie existieren in Gott, heute. Zeit gibt es für sie nicht.
Da ist nur die Rose; sie ist vollkommen in jedem
Augenblick ihres Daseins. Der Mensch aber verschiebt
oder erinnert; er lebt nicht in der Gegenwart,
sondern beklagt mit rückwärtsgewandtem Blick
die Vergangenheit oder steht, der Reichtümer, die
ihn umgeben, nicht achtend, auf Zehenspitzen,
um die Zukunft vorauszusehen. Er kann nicht glücklich
und stark sein, bis er mit der Natur in der Gegenwart lebt,
außerhalb der Zeit.”

(Emerson)

 

Paradoxerweise scheint es sogar so zu sein, dass wir uns vor nichts mehr fürchten, als in diese Gegenwart zu kommen. Daher die Angst vor der Stille und die Flucht nach außen und in die Betriebsamkeit. Auf der Oberfläche unseres Bewusstseins mögen wir die All-Einheit in der Gegenwart anstreben, aber jetzt, in diesem Augenblick, akzeptieren wir nicht in letzter Konsequenz, das was ist und dass es so ist, wie es ist. Solange ich mich nicht ganz loslasse - die Betonung liegt auf ganz -, kann ich die Erfahrung der All-Einheit im nunc stans nicht machen.

Wo liegen nun die Gründe für diese Flucht aus der Gegenwart?

Je mehr Angst wir haben, um so mehr sind wir von der Vergangenheit und der Zukunft bestimmt. Wir sind ganz in unseren Gedankensystemen verfangen, um die Zukunft zu sichern. Das lässt vermuten, dass eine tief sitzende Angst uns vom Leben in der Gegenwart abhält. Die tiefste Angst des Menschen besteht darin, nicht mehr zu sein. Hier könnte die Erklärung für unsere Flucht liegen: Indem wir versuchen, immer den nächsten Augenblick zu erreichen, meinen wir zu überleben. Der nächste und der nächste und der nächste Augenblick sind uns die Garantie dafür, dass wir weiterleben. Die gleiche Ausrichtung gilt für die Vergangenheit: Indem wir uns vergewissern, dass wir in der Vergangenheit gelebt haben, dass es die Vergangenheit gibt, sehen wir eine Garantie, dass es auch die Zukunft geben wird. Aus Angst vor dem Tod bauen wir uns einen Vorstellungsraum, der uns Sicherheit geben soll. Das Ganze läuft natürlich unbewusst ab.

Wir erkennen nicht, dass wir unsere Sicherheit und damit unser kleines Ich ganz aufgeben - es in den Augenblick hinein sterben lassen müssen, um wirkliches Leben und unvergängliches Glück zu erfahren ("Reich Gottes"). In dieser Gegenwart erfahren wir, dass das Leben unvergänglich ist.

Als ich den grünen Streifen gemalt hatte, hatte ich den Impuls, mit der Faust in das Bild hineinzuschlagen. Er war zu schön. Das Leben im nunc fluens, der fließenden Gegenwart, ist nicht so schön. Ich habe dann das Grün mit einer Schicht blauer Farbe übermalt. Da ging es.

 

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